Ökotest Honig 2009
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Die Gen-Technik breitet sich immer weiter aus und jetzt ist sie auch richtig im Honig angekommen. In unserem Test sind sage und schreibe elf von 24 Honigen mit Gen-Tech-Pollen verunreinigt - vor allem solche aus Südamerika. Nur drei Produkte schneiden mit „sehr gut" ab.
Eigentlich ist Honig Natur pur. Von Bienen gesammelt, mit Enzymen angereichert und konzentriert, reift er im Bienenstock zu einem einzigartigen Produkt heran. Gar nicht mehr Natur pur herrscht hingegen in weiten Teilen unserer Umwelt - und genau dort sind auch Bienen unterwegs. Wie sich das auswirken kann, war in diesem Jahr mehrfach in der Presse zu verfolgen: So starben im Frühjahr in Baden-Württemberg 500 Millionen Bienen durch das insektentötende Saatbeizmittel Clothianidin. Ein anderes Beispiel ist der Fall eines schwäbischen Imkers, der seine komplette Honigernte vernichten ließ. Grund: Der Honig enthielt Pollen des gentechnisch veränderten Mais MON810, weshalb ihn das Verwaltungsgericht Augsburg für nicht verkehrsfähig erklärte. Rechtskräftig ist das Urteil noch nicht.
Honig enthält neben Trauben- und Fruchtzucker zahlreiche wertvolle Inhaltsstoffe, die nicht nur Farbe und Geschmack prägen, sondern auch gesundheitsfördernde Wirkungen haben. Erst kürzlich bestätigte eine Studie, dass Honig Keime wirksam bekämpfen kann.
Da ein Großteil der Inhaltsstoffe wärme- und zum Teil auch lichtempfindlich sind, muss Honig schonend behandelt werden. Nur so bleibt seine Qualität lange erhalten. Als Kontrolle dient etwa Hydroxymethylfurfural, kurz HMF, das während der Lagerung und bei hohen Temperaturen entsteht. Ein zweiter Indikator ist die Aktivität des Bienenenzyms Invertase. Dieses zeigt schon kurzfristige Erwärmungen an, spiegelt aber auch den Reifegrad des Honigs wider.
Wir wollten wissen, wie es aktuell um die Qualität von Honig steht und schickten 18 herkömmliche Honige und sechs Rapshonige in die Labore. Mit von der Partie waren dieses Mal auch sechs Honige aus heimischer Produktion.
Das Testergebnis
- ... ist betrüblich. Denn nur drei Honige erreichen ein „sehr gut". Viele Marken liegen im Mittelfeld und sechs Produkte landen mit „mangelhaften" und „ungenügenden" Urteilen sogar ganz im Abseits.
- Fast die Hälfte der Honige enthalten Pollen von gentechnisch veränderten Pflanzen. Dabei handelt es sich in erster Linie um Pollen der weitverbreiteten Gen-Soja-Sorte Roundup Ready Soja. Die Ölpflanze liefert zwar nur wenig Nektar und ist daher keine Trachtpflanze, den Pollen nehmen Bienen offenbar aber trotzdem mit. Problematisch ist insbesondere Honig aus Mittel- und Südamerika, da dort jede Menge Gen-Soja wächst. Gleichzeitig wird in diesen Ländern ein Großteil der Welthonigernte produziert, auch für den deutschen Markt.
Gen-Soja steckt auch im Langnese Sommerblütenhonig Feine Auslese. Er schneidet jetzt nur noch mit „mangelhaft" ab. Im ÖKO-TEST Klassiker & Konkurrenten vom September 2008 hatten wir den Markenhonig nicht auf gentechnisch veränderte Bestandteile untersucht, da dieses Problem noch nicht so bedeutsam erschien. Dagegen ist sein damals mit untersuchter Konkurrent, der Gepa Lacandona cremig, Wildblütenhonig aus Mexiko, frei von Gentechnik.
Immerhin: Honig von deutschen Imkern war in unserem Test unbelastet, genauso wie Produkte aus Südosteuropa und dem fairen Handel. Bei Letzteren könnte der Grund darin liegen, dass kleinbäuerliche Imker ihren Honig in unbelasteteren Regionen erzeugen als große Imkereien.
- Bei den Rapshonigen wurde das Labor im Bihophar Canadischer Raps-Klee Honig fündig - was nicht überrascht, denn Kanada baut überwiegend Gen-Raps an.
- Pestizide tauchten fast ausschließlich in deutschen Produkten auf. Dabei handelt es sich meist um das Insektizid Thiacloprid - gefunden wurde es in Rapshonigen oder Blütenhonigen mit hohem Rapsanteil.
Eine erhöhte Rückstandsmenge steckt leider auch im Bio-Rapshonig von Allos. Da der Verbraucher davon ausgeht, dass gerade Bio-Honig frei von Pestiziden ist,
werten wir in Anlehnung an den Bio-Orientierungswert des Bundesverbandes Naturkost Naturwaren (BNN) zusätzlich unter den Weiteren Mängeln ab.
- Rückstände von Bienenarzneimitteln, die die Imker etwa gegen schädliche Milben einsetzen, sowie das Abwehrmittel DEET fanden sich hingegen - wenn überhaupt - nur in Spuren.
- Nicht immer zum Besten steht es um die Qualität. Besonders ärgerlich finden wir es, wenn auf dem Etikett mehr vorgegaukelt wird als tatsächlich im Glas steckt. So ist der Dreyer Rapshonig, cremig mild als „kalt geschleudert" deklariert - was für eine besondere schonende Behandlung stehen soll -, enthält aber weniger Invertase als in den Leitsätzen für kalt geschleuderten Honig vorgeschrieben. Auch der D.I.B.-Rapshonig von Honig Müngersdorff patzt: Er enthält mehr Wasser als erlaubt.
- Ganz schlecht präsentiert sich der kalt geschleuderte Hoyer Gourmet Wiesenblüte Bio-Honig. Er verpasst gleich zwei Kriterien der Honig-Leitsätze. Außerdem weist er jede Menge Pollen der Ackerpflanzen Raps und Senf auf, aber nur wenig Wiesenblüten. Der Geschmack ist entsprechend schwach trachttypisch.
- Die Honige ohne Auslobungen erfüllen zwar die Mindeststandards der Honigverordnung, die Qualität
kann dennoch sehr unterschiedlich sein.
- Einen strengen Beiton, der eher an Stall als an blumige Honignoten erinnert, machten die Prüfer im Gut & Günstig Bienenhonig, flüssig und Dr. Krieger's Bienenhonig aus. Dieser sei zwar natürlichen Ursprungs und daher kein Fehler, so die Experten, die Hersteller würden das beim Abfüllen nach Möglichkeit aber vermeiden.
Unsere Empfehlungen
- Wer Gen-Tech vermeiden will, trifft mit deutschem Honig aktuell noch die beste Wahl. In unserem Test waren auch Produkte aus Südosteuropa und dem fairen Handel unbelastet. Ob dies zufällig so ist, kann nicht beantwortet werden.
- Das Auskristallisieren von Honig ist ein völlig natürlicher Prozess und hat nichts mit zugesetztem Zucker zu tun. In einem Wasserbad bei maximal 40 °C wird fester Honig wieder flüssig.
- Honig kühl, dunkel und trocken lagern. Dann bleibt die Qualität am besten erhalten.
- Für Kinder unter 12 Monaten ist Honig ungeeignet, da er Bakterien enthalten kann, die den Kleinen gefährlich werden können.
Honig - ein lebensmittelrechtlicher Grenzfall
Niemand will Gen-Technik im Honig - selbstverständlich auch die Imker nicht. Andererseits zeigen die Funde, dass ein friedliches Nebeneinander von herkömmlicher und Gentech-Landwirtschaft unmöglich ist und immer schwieriger wird. Insofern ist unsere Bewertung eher eine politische und nicht einer mangelnden Sorgfaltspflicht der Hersteller geschuldet. Keine Unterstützung zur Einordnung von Gen-Technik in Honig bietet die Rechtslage. Denn die veränderten Gen-Bestandteile im Pollen sind nicht vermehrungsfähig und daher keine gentechnisch veränderten Organismen (GVO).
Die Gen-Technik-Gesetzgebung bezieht sich jedoch ausdrücklich auf GVO. Das heißt, die Gen-Bestandteile im Honig müssen weder zugelassen noch gekennzeichnet werden. Urteile, wie das des Verwaltungsgerichts Augsburg zum Gen-Mais MON810, zeigen jedoch, dass es andere Rechtsauffassungen gibt. Hintergrund hier: MON810 hat derzeit keine klare Zulassung als Lebensmittel. Als Krücke herangezogen wird oft der Schwellenwert von 0,9 Prozent, ab dem Produkte zu kennzeichnen sind. Da Honig nur etwa 0,1 bis 0,5 Prozent Pollen enthält, entfiele die Kennzeichnung. Gesetze hin oder her: Für Verbraucher bleibt ein gut Teil Transparenz auf der Strecke.
Aus Ökotest 1/2009 Honig