Ökotest Honig 2009

249

Die Gen-Technik breitet sich immer weiter aus und jetzt ist sie auch richtig im Honig angekommen. In unserem Test sind sage und schreibe elf von 24 Honigen mit Gen-Tech-Pollen verunreinigt - vor allem solche aus Südamerika. Nur drei Produkte schneiden mit „sehr gut" ab.

Eigentlich ist Honig Natur pur. Von Bienen gesammelt, mit Enzymen angereichert und konzentriert, reift er im Bienenstock zu einem einzigartigen Produkt heran. Gar nicht mehr Natur pur herrscht hingegen in weiten Teilen unserer Umwelt - und genau dort sind auch Bienen unterwegs. Wie sich das auswirken kann, war in diesem Jahr mehrfach in der Presse zu verfolgen: So starben im Frühjahr in Baden-Württemberg 500 Millionen Bienen durch das insektentötende Saatbeizmittel Clothianidin. Ein anderes Beispiel ist der Fall eines schwäbischen Imkers, der seine komplette Honigernte vernichten ließ. Grund: Der Honig enthielt Pollen des gentechnisch veränderten Mais MON810, weshalb ihn das Verwaltungsgericht Augsburg für nicht verkehrsfähig erklärte. Rechtskräftig ist das Urteil noch nicht.

Honig enthält neben Trauben- und Fruchtzucker zahlreiche wertvolle Inhaltsstoffe, die nicht nur Farbe und Geschmack prägen, sondern auch gesundheitsfördernde Wirkungen haben. Erst kürzlich bestätigte eine Studie, dass Honig Keime wirksam bekämpfen kann.

Da ein Großteil der Inhaltsstoffe wärme- und zum Teil auch lichtempfindlich sind, muss Honig schonend behandelt werden. Nur so bleibt seine Qualität lange erhalten. Als Kontrolle dient etwa Hydroxymethylfurfural, kurz HMF, das während der Lagerung und bei hohen Temperaturen entsteht. Ein zweiter Indikator ist die Aktivität des Bienenenzyms Invertase. Dieses zeigt schon kurzfristige Erwärmungen an, spiegelt aber auch den Reifegrad des Honigs wider.

Wir wollten wissen, wie es aktuell um die Qualität von Honig steht und schickten 18 herkömmliche Honige und sechs Rapshonige in die Labore. Mit von der Partie waren dieses Mal auch sechs Honige aus heimischer Produktion.

Das Testergebnis

Unsere Empfehlungen

Honig - ein lebensmittelrechtlicher Grenzfall

Niemand will Gen-Technik im Honig - selbstverständlich auch die Imker nicht. Andererseits zeigen die Funde, dass ein friedliches Nebeneinander von herkömmlicher und Gentech-Landwirtschaft unmöglich ist und immer schwieriger wird. Insofern ist unsere Bewertung eher eine politische und nicht einer mangelnden Sorgfaltspflicht der Hersteller geschuldet. Keine Unterstützung zur Einordnung von Gen-Technik in Honig bietet die Rechtslage. Denn die veränderten Gen-Bestandteile im Pollen sind nicht vermehrungsfähig und daher keine gentechnisch veränderten Organismen (GVO).

Die Gen-Technik-Gesetzgebung bezieht sich jedoch ausdrücklich auf GVO. Das heißt, die Gen-Bestandteile im Honig müssen weder zugelassen noch gekennzeichnet werden. Urteile, wie das des Verwaltungsgerichts Augsburg zum Gen-Mais MON810, zeigen jedoch, dass es andere Rechtsauffassungen gibt. Hintergrund hier: MON810 hat derzeit keine klare Zulassung als Lebensmittel. Als Krücke herangezogen wird oft der Schwellenwert von 0,9 Prozent, ab dem Produkte zu kennzeichnen sind. Da Honig nur etwa 0,1 bis 0,5 Prozent Pollen enthält, entfiele die Kennzeichnung. Gesetze hin oder her: Für Verbraucher bleibt ein gut Teil Transparenz auf der Strecke.

Aus Ökotest 1/2009 Honig