1895
Der Fegling ist die gebräuchlichste Form des Kunstschwarmes und wird meist in Verbindung mit einer Schleuderung oder nach Trachtschluß gebildet. Fegen Sie dazu am Vormittag eines guten Flugtages etwa zwei Kilogramm Jungbienen von Brut- oder Honigwaben in einen Kasten, an dessen Deckel Sie den Käfig mit der Weisel unter Zuckerteigverschluß befestigt haben. Die Waben, von denen Sie die Bienen abfegen, müssen nicht nur einem Volk entstammen, sondern können verschiedenen Bienenvölkern entnommen werden. Das hat den Vorteil, daß Sie die Völker weniger schwächen und deren Leistungsstärke erhalten. Bienenvölker, die sich in Schwarmstimrnung befinden, sind dafür allerdings ungeeignet. Ratsam ist es, die Waben vorher eine Zeit auf dem Wabenbock abzustellen, damit sich die Bienen voll Honig saugen können und die Altbienen abfliegen. Haben Sie genügend Bienen zusammen, wird der Kasten bienendicht verschlossen und kommt an einen kühlen Ort (Keller o. ä.). Dort schließen sich die Bienen zur künstlichen Schwarmtraube zusammen und befreien die Weisel. Bereits während dieser Zeit sollten Sie die Bienen mit Futterteig oder mit Zucker- bzw. Honiglösung füttern. Die Weisel wird im Fegling sicher angenommen, weil er vorwiegend aus Jungbienen besteht. Deshalb ist es empfehlenswert, die beschriebene Methode anzuwenden, wenn Sie wertvolle reinrassige Weiseln erworben haben. Den Fegling können Sie schließlich wie einen natürlichen Schwärm in die vorbereitete Beute einschlagen. Er benötigt jedoch vom ersten Tag an Reizfutter, damit er sich schnell entwickelt.
Eine selten angewendete Form des Kunstschwarmes ist der Flugling, bei dem einem Bienenvolk alle Brutwaben — bis auf die Wabe mit der Weisel — entzogen werden. An ihre Stelle kommen Leerwaben und Mittelwände. Die Weisel bleibt also mit den Flugbienen und wenigen Jungbienen in der Beute zurück, während mit den entnommenen Brutwaben ein Ableger gebildet wird.
Für die Entwicklung der Kunstschwärme ist es günstig, sie später mit einigen schlupfreifen Brutwaben zu verstärken. Beim Auftreten der Varroatose verbietet sich eine solche Maßnahme. Dann müssen Sie beim Fegling und beim Flugling die Zeitspanne bis zum Verdeckein der ersten Brutzellen nutzen, um die Varroamilben zu bekämpfen.
Schwarmweiselzellen errichten die Bienen vor allem an den Wabenrändern, Nachschaffungszellen meist mitten auf der Wabenfläche. Letztere werden über jüngsten Arbeiterinnenlarven gezogen, wenn die Weisel verlorengegangen ist. Die Zellen können Sie für Völker verwenden, deren fehlerhafte oder überalterte Weisel Sie vorher entfernt haben, oder Ablegern zugeben. Dabei ist es gleichgültig, ob Sie die ganze Wabe mit der Weiselzelle oder die Zelle allein nutzen. Beweisein Sie damit Völker, darf es immer nur eine einzige Zelle sein, weil sonst die Gefahr besteht, daß die zuerst schlüpfende Weisel mit einem Teil des Volkes auszieht. Wollen Sie einzelne Weiselzellen ausschnei-den oder umklemmen, müssen Sie vorsichtig und zügig arbeiten. Grundsätzlich dürfen Sie nur bereits verdeckelte Zellen dazu nehmen, denn die Königinnenlarve rutscht leicht vom Futtersaft und stirbt ab. Die aus den Zellen geschlüpften Weiseln werden aus dem Volk oder Ableger heraus begattet. Sie finden dort sofort nach dem Schlupf optimale Bedingungen vor (Wärme, Futtervorrat, Pflegebienen u. a.), was sich auf die schnelle Begattung und die anschließende Legetätigkeit positiv auswirkt. Gegenüber anderen Aufzuchtmethoden ist das von Vorteil, übrigens können Sie auch Weiselzellen, die Sie durch das Bogen-schnittverfahren oder durch das Umlarven erhielten, auf gleiche Weise verwerten.