Zum Bienenvolk gehören ein geschlechtstüchtiges Weibchen (Weisel oder Königin, auch Stockmutter genannt), im Sommer zwischen 60000 und 80000 Arbeiterinnen (Arbeitsbienen) und in der Zeit der Fortpflanzung mehrere hundert bis über eintausend Männchen (Drohnen). Bei allen Bienenwesen können Sie im Körperbau die typische Dreiteilung erkennen: Kopf (Caput), Brust (Thorax) und Hinterleib (Abdomen). Das Außenskelett besteht aus Chitin, trägt ein dichtes Haarkleid und ist in Ringe (Segmente) untergliedert. Die Segmente des Hinterleibes sind durch dehnbare Häutchen beweglich miteinander verbunden. Die Entwicklung der Bienenwesen vollzieht sich in Form einer vollständigen Metamorphose. Sie erfolgt vom Ei bis zum Vollinsekt in mehreren Stadien. Aus den Eiern schlüpfen nach drei Tagen kleine Larven, die durch den von den Pflegebienen regelmäßig verabreichten Futtersaft rasch heranwachsen. Während dem Futtersaft für die Arbeiterinnen- und Drohnenlarven mit zunehmendem Alter mehr und mehr Pollen und Honig beigemischt werden, erhalten die Larven in den Weiselzellen einen besonderen Futtersaft, den Weiselfuttersaft. Mit dem Weiselfuttersaft können die Bienen auch jede Larve in einer Arbeiterinnenzelle im Alter bis zu drei Tagen auf die Entwicklung zur Weisel umstimmen. Je früher das geschieht, desto besser wird die Qualität der neuen Weisel sein.
Nachdem die Pflegebienen die Zellen mit porösen, luftdurchlässigen Wachsdeckeln verschlossen haben, strecken sich die Larven und spinnen sich in einen Kokon ein. Das Puppenstadium, in dem sich das Vollinsekt bildet, kann sich durch Temperatureinflüsse zeitlich verschieben. Die gesamte Entwicklungsdauer beträgt bei den Arbeitsbienen etwa 21 Tage, bei den Weiseln etwa 16 und bei den Drohnen etwa 24 Tage.
Der Hinterleib der Weisel wird zum großen Teil von den Eierstöcken ausgefüllt, die Grundlage für ihre einzige Arbeit: der Eiablage. Mit der Eiablage wird nicht nur der Bestand des Bienenvolkes gesichert, sondern die Weisel überträgt damit auch ihre Erbanlagen und die der Drohnen, welche zur Begattung kamen , auf die anderen Bienenwesen des Volkes. Das Verhalten der Arbeitsbienen (Sammeleifer, Sanftmut usw.), die Erbanlagen der Drohnen und die gesamte Leistungsfähigkeit eines Bienenvolkes haben also ihren Ursprung in der Weisel.
In der Hochsaison kann die Weisel in Abhängigkeit von den Trachtverhältnissen und vom zur Verfügung stehenden Raum täglich bis zu 2000 und mehr Eier legen. Die Eier, dem Aussehen nach auch als Stifte bezeichnet, stehen dabei anfangs auf dem Grund der Zellen. Sehen Sie sich einmal genau an, wie die Eiablage vor sich geht: Die Weisel prüft, ob die Zelle frei ist, bevor sie diese bestiftet. Von der unterschiedlichen Größe der Zellen gehen die Reize aus, ob besamte oder unbesamte Eier abgelegt werden. Aus den besamten Eiern entwickeln sich Arbeitsbienen oder Weiseln, aus den unbesamten Eiern entstehen Drohnen. Die Ursache dafür, daß sich aus den gleich beschaffenen besamten Eiern zwei unterschiedliche Wesen entwickeln können, liegt in der verschiedenen Fütterung der Larven begründet. Der Samenvorrat, den die Weisel auf ihren Hochzeitsflügen von den Gattendrohnen bekam, muß für die gesamte Lebenszeit reichen. Die Lebensdauer einer Weisel kann bis zu fünf Jahre betragen, doch beläßt sie der Imker meist nur etwa zwei Jahre in einem Wirtschaftsvolk.
Junge Weiseln sind legetüchtiger und vitaler als alte Weiseln und bieten deshalb die beste Gewähr für leistungsstarke Bienenvölker, in denen nicht so schnell Schwarmstimmung aufkommt. Darüber hinaus sollten Sie Weiseln, die in ihren Leistungen nicht überzeugen, so schnell wie möglich gegen hochwertigere Weiseln austauschen. Von den zahlreichen Methoden, die es für den Weiseltausch in den Bienenvölkern gibt, ist keine absolut sicher, so daß eine Umweiselung nicht selten erfolglos bleibt. Beachten Sie bei dieser Arbeit unbedingt folgende Grundsätze:
Die Neubeweiselung der Bienenvölker sollten Sie mit Hilfe von Zusetzkäfigen vornehmen, bei denen die Bienen durch die Gaze Kontakt zur neuen Königin aufnehmen. Verhalten sich die Bienen an der Gaze friedlich, so können Sie den Holzstopfen des Käfigs gegen Futterteig austauschen und die Weisel von den Bienen befreien lassen. Eine Reizfütterung kann das Umweiseln unterstützen, denn mit dem Futterstrom zirkulieren die Pheromone der neuen Weisel schneller im Bienenvolk.
Mit den jungen Weiseln, die Sie nachgezogen und gezeichnet haben, können Sie keine Bienenvölker umweiseln. Das ist biologisch falsch und schlägt mit Sicherheit fehl. Unbegattete Weiseln geben noch sehr wenig Pheromone ab und werden von den Bienen, die eine legetüchtige Weisel hatten und Brut in allen Stadien pflegen als fremde Biene betrachtet und abgestochen. Bei einem Ableger oder besser noch einem Kunstschwarm sieht das schon anders aus. Auch wenn Sie den entweiselten Völkern eine schlupfreife Weiselzelle zuhängen, ist die junge Weisel sofort dem Volk zugehörig. Sie sollten sich der Mühe der Weiselaufzucht nicht nur unterziehen, um die reinrassigen Weiseln auf dem Stand begatten zu lassen. Dadurch erhalten Sie zwar leistungsstarke Wirtschaftsvölker, doch zur weiteren Zucht dürfen Sie diese Völker nicht einsetzen, weil die Nachkommen nicht reinerbig sind. Da Sie sich aber nun bereits auf dem Wege zum Züchter befinden, brauchen Sie weiterhin reinerbiges Bienenmaterial. Die Belegeinrichtungen, auf denen gekörte Bienenvölker (Vatervölker) stehen, sichern die Paarung der jungen Weiseln mit reinrassigen Drohnen. Von den hier begatteten Weiseln wählen Sie dann wieder nach den Leistungen und Körpermerkmalen aus und setzen die besten von ihnen erneut zur Nachzucht ein. Wenn Sie die Belegeinrichtungen nutzen wollen, brauchen Sie eine Seuchenfreiheitsbescheinigung. Gerade hier, wo Bienen aus einem großen Einzugsgebiet konzentriert aufgestellt werden, sind vorbeugende Maßnahmen gegen Bienenkrankheiten besonders wichtig. Die jungen Weiseln müssen Sie in Begattungskästchen mit einem kleinen Völkchen zur Belegeinrichtung bringen. Die Einwabenkästchen (EWK) oder Mehrwabenkästchen bereiten Sie vor, indem Sie die Futterkammer mit Futterteig füllen und in den Rähmchen einen Mittelwandstreifen von 2 bis 3 cm Breite befestigen. Nun geht es an die Besiedlung. Hierfür eignen sich die Bienen am besten, die im Pflegevolk oder durch einen Fegling bereits auf eine neue Weisel eingestimmt sind. Dem Fegling geben Sie gleich eine der unbegatteten Weiseln im fest verschlossenen Käfig zu. Beachten Sie aber: Bienen in Schwarmstimmung verderben auch hier alles! Da Ihre Drohnen auf der Belegeinrichtung nichts zu suchen haben, müssen Sie die Bienen sieben oder die Kästchen mit einem Gerät besiedeln, bei dem durch ein Absperrgitter die Drohnen aus dem Begattungsvölkchen ausgesondert werden. Als Maß für die Besiedlung sollten Sie beim EWK eine Schöpfkelle nehmen, die etwa 150 bis 200 Gramm Bienen faßt. Zu wenige Bienen können später nicht die notwendige Temperatur erzeugen, sind es zu viel und es wird zu eng, ziehen die Bienen aus. Die jungen Weiseln lassen Sie abschließend einfach durch die Fluglöcher zulaufen, doch können Sie diese ebenso unter Zuckerteigverschluß zusetzen. Dunkel und kühl abgestellt, ziehen sich die Bienen in den Begattungskästchen bald zur Bautraube zusammen und beginnen, den Anfangsstreifen auszubauen. Damit ist die Zeit gekommen, die Begattungsvölkchen zur Belegeinrichtung zu bringen. Nach 14 Tagen werden Sie zur Begattung geeignetes Wetter vorausgesetzt die Weiseln in Eiablage vorfinden und können sie in Ablegern oder Völkern verwerten.
Ganz gleich, woher oder von wem Sie das Bienenmaterial erwerben diese Bescheinigung gehört grundsätzlich dazu. Sie stellt ein Bienenseuchensachverständiger (BSS) oder der Tierarzt aus. Ein Verkauf von Bienen, Weiseln und auch Beuten oder Geräten ist nicht gestattet, wenn der Verdacht auf Bienenseuchen besteht oder solche ausgebrochen sind. Die Sperrmaßnahmen gelten dann meist für ein größeres Gebiet. Der „Gesundheitspass" garantiert Ihnen, daß Sie gesunde Bienenvölker erworben haben. Er ist notwendig, um der Verbreitung von Bienenkrankheiten entgegenzuwirken. Schon oft half eine routinemäßige Untersuchung von Bienenvölkern, Krankheitsherde rechtzeitig zu entdecken.