1695

Weiselaufzucht mit dem Bogenschnittverfahren

Bogenschnittverfahren

Versuchen Sie die Weiselaufzucht mit dem Bogenschnittverfahren, einer sehr einfachen Zuchtmethode.

Dazu brauchen Sie ein reinrassiges Bienenvolk, dem Sie bei guter Tracht mitten in das Brutnest eine Mittelwand geben. Die Mittelwand wird dort schnell ausgebaut und bestiftet, so daß Sie nach drei Tagen schon nachsehen können, ob aus den Eiern die Larven geschlüpft sind. Sobald das geschehen ist, führen Sie mit einem erwärmten Messer durch die Zone mit jüngsten Bienenlarven (wasserheller Futtersaft!) den Bogenschnitt aus. Nun müssen Sie das Volk entweiseln oder die Bogenschnittwabe einem entweiselten Volk in Pflege geben, damit die Bienen an der Schnittstelle Weiselzellen anziehen. Es ist aber ratsam, daß Sie nur etwa jede dritte Bienenlarve belassen und die übrigen mit einem Streichholz zerdrücken. Dadurch vermeiden Sie, daß die Bienen die Weiselzellen zusammenbauen und Probleme entstehen, wenn Sie die Zellen verwerten wollen. In gleicher Weise können Sie auch den anderen Teil der Bogenschnittwabe nutzen, um zu einer noch größeren Anzahl von Weiseln zu kommen. Sobald die Bienen die Weiselzellen verdeckelt haben, können Sie diese verwerten oder die Weiseln schlüpfen lassen, wie es bei der Umlarvmethode beschrieben wird.


Weiselnäpfchen herstellen

Wenn Sie sich zum Umlarven entschließen, unternehmen Sie einen konkreten Schritt vom Bienenhalter zum Bienenzüchter.

Umlarven heißt, jüngste Arbeiterinnenlarven in künstliche Weiselbecher umzubetten, damit die Bienen daraus Weiseln ziehen. Das setzt voraus, daß Sie spezielle Geräte besitzen, sich gründlich darauf vorbereiten und nach einer genauen Zeitplanung arbeiten. Sie stellen sich dabei einer interessanten Aufgabe und dringen noch tiefer in die „Geheimnisse" der Bienenzucht ein. Ihr Vorteil ist, nicht unbedingt reinrassige Weiseln erwerben zu müssen, sondern über Zuchtstoff von gekörten Bienenvölkern anderer Zuchtfreunde Ihr Bienenmaterial selbst zielstrebig verbessern zu können. Die künstlichen Weiselbecher stellen Sie mit einem Formholz her, indem Sie es einmal bis zur Markierung und ein zweites und drittes Mal einige Millimeter weniger tief in flüssiges Bienenwachs tauchen. Damit Sie den Weiselbecher leicht abdrehen können und er nicht am Holz klebenbleibt, muß das Formholz vorher einige Zeit gewässert werden. Auch während der Arbeit müssen Sie das Holz immer wieder mit Wasser benetzen. Die Wassertropfen schlagen Sie ab, bevor Sie das Holz in das Wachs eintauchen. Das flüssige Wachs darf nicht zu heiß sein, sondern muß kurz vor dem Erstarren sein. Haben Sie die Weiselbecher fertiggesstellt, werden diese mit Wachs an den Zuchtstopfen befestigt. In einigen Ländern sind Weiselbecher aus Plast im Gebrauch, die sich immer wieder verwenden lassen.

Nun gehen Sie an die Vorbereitung des Anbrütekastens, in dem die Bienen die Weiselzellen anziehen sollen. Zuerst setzen Sie in die Lochleisten des Kasteneinsatzes die benötigte Anzahl Zuchtstopfen mit Weiselbechern ein. Dann wird der Kasten mit Honig-Pollen Waben ausgestattet, von denen eine Wabe auch etwas Wasser erhalten muß. Auf den Waben darf keine Brut sein! Jetzt öffnen Sie das Volk, welches die Weiselzellen pflegen soll (Pflegevolk) und hängen alle Waben aus dem Brutraum auf dem Wabenbock ab. Die Wabe mit der Weisel kommt sofort in die Beute zurück, denn eine Weisel im Anbrütekasten würde alles verderben. Nachdem die Flugbienen von den Waben abgeflogen sind, kehren Sie vom Baurahmen und von Waben mit offener Brut Bienen in den Anbrütekasten. Damit haben Sie die Gewähr, daß viele Pflegebienen die Larven gut versorgen werden. Der Einsatz mit den Zuchtstopfen, auf den noch eine wärmende Matte kommt, verschließt den Anbrütekasten wieder. Das alles geschieht an einem Vormittag, denn ehe Sie beginnen können, die Weiselbecher zu belarven, vergehen noch einige Stunden. Die Bienen müssen sich erst weisellos fühlen und die Weiselbecher einspeicheln. Nach etwa vier Stunden sollten Sie noch einmal die Probe aufs Exempel machen und den Kasten anheben. Brausen die Bienen auf, sind sie mit Sicherheit weisellos.

Schlupfkäfig

Jetzt brauchen Sie einen hellen Arbeitsplatz, an dem Sie alles zum Umlarven vorbereiten. Vergessen Sie nicht, sich eine Sitzgelegenheit und einen Helfer zu organisieren! Die Wabe mit jüngsten Larven, die Sie dem Zuchtvolk entnehmen und abfegen, müssen Sie so abstellen, daß die Larven für Sie gut sichtbar sind. Nun wird dem Anbrütekasten der erste Zuchtstopfen entnommen und an seine Stelle ein besonders markierter Stopfen, der „Wanderstopfen", gesetzt. Mit der Feder oder mit dem Sauggerät (nach Predmersky) betten Sie eine Larve mitsamt einem Futtersafttröpfchen vorsichtig um und tauschen den belarvten Stopfen sofort wieder mit dem „Wanderstopfen" aus. So geht es der Reihe nach, bis alle Weiselbecher belarvt sind. Der „Wanderstopfen" sichert ab, daß Sie immer genau wissen, wieweit bereits belarvt ist. Bevor Sie den Kasten warm verpacken, sollten Sie die zuerst belarvten Weiselbecher noch einmal kontrollieren. Meist schwimmen die Larven schon im Futtersaft — und Sie können mit Ihrer Arbeit zufrieden sein. Der Erfolg stellt ich vor allem dann ein, wenn das Pflegevolk schwarmwillig ist. Am nächsten Tag können Sie die Leisten mit den Weiselzellen vorsichtig aus dem Anbrütekasten in einen oder mehrere Honigräume weiselrichtiger Pflegevölker geben. Die Leisten hängen Sie in ein breites Rähmchen, den Zuchtrahmen. Den Zuchtrahmen sollte je eine Brutwabe flankieren, die Sie bereits einige Tage vorher in den Honigraum hängen müssen. Sie ziehen Pflegebienen nach oben, die dafür sorgen, daß die Larven in den Weiselzellen optimal versorgt werden. Die restlichen Bienen aus dem Anbrütekasten schlagen Sie ebenfalls in den Honigraum des Pfiegevolkes zurück. Wenn keine Tracht herrscht, müssen Sie von nun an das Pflegevolk täglich füttern, bis die Weiselzellen ver-deckelt sind. Spätestens zehn Tage nach dem Um-larven werden die Weiselzellen in Durchgangsschlüpfkäfige umgesiedelt („verschult"). Verpassen Sie den Zeitpunkt, bringen sich die geschlüpften Weiseln gegenseitig um. Aus den Käfigen können sie nicht heraus, haben dafür aber sofort nach dem Schlupf Kontakt zu den Pflegebienen. Sehr kleine und auch übernormal lange Weiselzellen, bei denen die Larve vom Futtersaft abgerutscht ist, werden nicht verschult, sondern gleich entfernt.

An Drohnen können Sie gut üben, wie die Weiseln gezeichnet werden.

Alle Weiseln sollten gezeichnet sein, weil sie sich dann bei der Arbeit an den Bienenvölkern viel leichter finden lassen, ihr Alter sofort erkennbar ist und auch jede „stille" Umweiselung schnell auffällt. Viele Anfänger scheuen sich vor dieser wichtigen Arbeit, weil sie einfach Angst davor haben, die Weisel beim Zeichnen zu sehr zu drücken oder gar zu verletzen. Wenig problematisch ist das bei den jungen Weiseln, die gleich gezeichnet werden, nachdem sie geschlüpft sind. Nach dem Zeichnen können Sie die Weisel gegen das Fenster fliegen lassen, um sicher zu gehen, daß sie für die Begattungsflüge auch wirklich flugfähig ist. üben Sie an Drohnen, wie man den Weiselfänger und das Zeichengerät handhabt, den Lack mit einem kleinen Pinsel oder einem Streichholz auf das Bruststück aufträgt und schließlich das Zeichenplättchen andrückt. Die Zeichenfarben, die das Geburtsjahr der Weisel angeben und international festgelegt sind, können Sie sich durch folgende Regel einprägen: Wenn die Jahresendzahlen mit folgender Zahl endet: 1 und 6 — weiß 2 und 7 - gelb 3 und 8 - rot 4 und 9 — grün 5 und 0 — blau

Die Königinnen werden gezeichnet

20052006200720082009
blauweisgelbrotgrün
20102011201220132014
BelegstelleEWK Füllen

Bringen Sie einige der nachgezogenen Weiseln zu einer Belegeinrichtung, um sie dort von reinrassigen Drohnen begatten zu lassen.

Mit den jungen Weiseln, die Sie nachgezogen und gezeichnet haben, können Sie keine Bienenvölker umweiseln. Das ist biologisch falsch und schlägt mit Sicherheit fehl. Unbegattete Weiseln geben noch sehr wenig Pheromone ab und werden von den Bienen, die eine legetüchtige Weisel hatten und Brut in allen Stadien pflegen als fremde Biene betrachtet — und abgestochen. Bei einem Ableger oder besser noch einem Kunstschwarm sieht das schon anders aus. Auch wenn Sie den entweiselten Völkern eine schlupfreife Weiselzelle zuhängen, ist die junge Weisel sofort dem Volk zugehörig. Sie sollten sich der Mühe der Weiselaufzucht nicht nur unterziehen, um die reinrassigen Weiseln auf dem Stand begatten zu lassen. Dadurch erhalten Sie zwar leistungsstarke Wirtschaftsvölker, doch zur weiteren Zucht dürfen Sie diese Völker nicht einsetzen, weil die Nachkommen nicht reinerbig sind. Da Sie sich aber nun bereits auf dem Wege zum Züchter befinden, brauchen Sie weiterhin reinerbiges Bienenmaterial. Die Belegeinrichtungen, auf denen gekörte Bienenvölker (Vatervölker) stehen, sichern die Paarung der jungen Weiseln mit reinrassigen Drohnen. Von den hier begatteten Weiseln wählen Sie dann wieder nach den Leistungen und Körpermerkmalen aus und setzen die besten von ihnen erneut zur Nachzucht ein. Wenn Sie die Belegeinrichtungen nutzen wollen, brauchen Sie eine Seuchenfreiheitsbescheinigung. Gerade hier, wo Bienen aus einem großen Einzugsgebiet konzentriert aufgestellt werden, sind vorbeugende Maßnahmen gegen Bienenkrankheiten besonders wichtig. Die jungen Weiseln müssen Sie in Begattungskästchen mit einem kleinen Völkchen zur Belegeinrichtung bringen. Die Einwabenkästchen (EWK) oder Mehrwabenkästchen bereiten Sie vor, indem Sie die Futterkammer mit Futterteig füllen und in den Rähmchen einen Mittelwandstreifen von 2 bis 3 cm Breite befestigen. Nun geht es an die Besiedlung. Hierfür eignen sich die Bienen am besten, die im Pflegevolk oder durch einen Fegling bereits auf eine neue Weisel eingestimmt sind. Dem Fegling geben Sie gleich eine der unbegatteten Weisein im fest verschlossenen Käfig zu. Beachten Sie aber: Bienen in Schwarmstimmung verderben auch hier alles! Da Ihre Drohnen auf der Belegeinrichtung nichts zu suchen haben, müssen Sie die Bienen sieben oder die Kästchen mit einem Gerät besiedeln, bei dem durch ein Absperrgitter die Drohnen aus dem Begattungsvölkchen ausgesondert werden. Als Maß für die Besiedlung sollten Sie beim EWK eine Schöpfkelle nehmen, die etwa 150 bis 200 Gramm Bienen faßt. Zu wenige Bienen können später nicht die notwendige Temperatur erzeugen, sind es zu viel und es wird zu eng, ziehen die Bienen aus. Die jungen Weiseln lassen Sie abschließend einfach durch die Fluglöcher zulaufen, doch können Sie diese ebenso unter Zuckerteigverschluß zusetzen. Dunkel und kühl abgestellt, ziehen sich die Bienen in den Begattungskästchen bald zur Bautraube zusammen und beginnen, den Anfangsstreifen auszubauen. Damit ist die Zeit gekommen, die Begattungsvölkchen zur Belegeinrichtung zu bringen. Nach 14 Tagen werden Sie - zur Begattung geeignetes Wetter vorausgesetzt — die Weiseln in Eiablage vorfinden und können sie in Ablegern oder Völkern verwerten.

  

Ein Schritt zurück