Die Spätsommerpflege

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Ein Bienenvolk kommt sicher durch den Winter, wenn es gesund und stark in den Winter geht und über genügend Vorräte verfügt. Man braucht nur wenig zu tun, um die Völker in diesen Zustand zu versetzen. Das wenige muss aber getan werden.

Damit aus der Pflege kein Pflegefall wird sollten bei der Spätsommerpflege folgende Punkte unbedingt beachtet werden:



Die Behandlung mit Ameisensäure (AS) wird von mir seit vier Jahren ausschließlich mit der Medizinflasche durchgeführt. Sie wird von oben eingesetzt und benötigt eine Leerzarge oder einen umgedrehten Futtertrog als Verdunstungsraum. Wenn die Leerzarge auch für die Auffütterung mit dem Futtereimer genutzt wird (mit Zuckerwasser gefüllt und mit einer Schicht Flaschenkorken als Schwimmhilfe ausgerüstet in die Leerzarge einstellen), lässt sich die Behandlung mit der Medizinflasche mühelos in die Spätsommerpflege integrieren. Diese besteht dann bei den Altvölkern aus folgenden Eingriffen:



Auf die Volksstärke achten

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Der wichtigste Faktor für eine erfolgreiche Überwinterung, gerade in ungünstigen Wintern, ist die Volksstärke. Je mehr Bienen die Völker bei ihrer Einwinterung im Oktober haben, desto geringer ist das Risiko, dass sie im Winter sterben und desto stärker sind sie bei der Auswinterung im März. Im Oktober sollte ein Volk mindestens 5000 gut ernährte und langlebige Winterbienen haben. Die meisten von ihnen werden im September erbrütet. Ihre Aufzucht und Pflege wird von der letzten Generation der Sommerbienen besorgt, die noch im Laufe des Herbstes abgehen.

Eine Mindesteinwinterungsstärke von 5000 Bienen ist zwar keine hundertprozentige Garantie für eine erfolgreiche Überwinterung. Doch ist die Ausfallquote bei Völkern mit mehr als 5000 Bienen im Oktober sehr viel geringer als bei schwächeren Völkern.

Wie erreiche ich eine ausreichend hohe Volksstärke?

Bei der Beantwortung dieser Frage sollte man zwischen Jungvölkern und Altvölkern (Wirtschaftsvölkern) unterscheiden. Jungvölker sind leichter auf die erforderliche Einwinterungsstärke von über 5000 Bienen zu bringen (man braucht sie nur früh genug zu bilden und im Sommer gut zu pflegen, vgl. Kapitel »Königinnenaufzucht und Bildung von Jungvölkern«) als Altvölker, obwohl die Altvölker im August (und auch im September) oft noch sehr viel stärker sind. Doch schrumpfen sie im Herbst sehr viel stärker als Jungvölker. Vielleicht liegt das daran, dass die Wachstumsphase der Jungvölker im Sommer liegt, die der Altvölker dagegen im Frühjahr. Auch Altvölker, die im Frühjahr sehr schwach sind, können sich im Laufe des Sommers erholen und stehen dann häufig im Herbst weit besser da als Völker, die sich im Frühjahr zügig entwickelt und viel Honig eingetragen haben.

Doch ist es keine Seltenheit, dass aus einem Volk mit über 10000 Bienen im August ein schwaches wird, das im Oktober nur noch 5000 Bienen oder sogar weniger hat, trotz anscheinend ausreichender Brutleistung im Spätsommer. Deshalb sollten Altvölker vor Beginn der Auffütterung zwei Zargen mit Bienen füllen. Schwächere Altvölker sollten aufgelöst werden, und zwar vor der Auffütterung! Gehen Sie hier konsequent vor! Lieber nur halb so viel Völker einwintern und alle auswintern als alle Völker einwintern und nur die Hälfte auswintern! In Völker, die im Laufe des Winters oder im Frühjahr sterben, hat man umsonst investiert. Werden solche Völker vor der Spätsommerpflege aufgelöst, hat man weniger Arbeit und spart Geld für Futter, Ameisensäure und Oxalsäure.

Brutleistung

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Die Einwinterungsstärke ist nur bedingt von der Brutleistung im Spätsommer abhängig. Man sollte deshalb bei der Entscheidung, welche Völker überwinterungsfähig sind und welche nicht, sich nicht ausschließlich an der Größe des Brutnestes orientieren. Große Brutnester im Spätsommer verleiten zu der Annahme, dass Völker noch wachsen. Das Gegenteil ist die Regel. Die meisten Völker schrumpfen, auch wenn sie viel Brut haben. Wachstum im Spätsommer ist die seltene Ausnahme. Es kommt häufig vor, dass Völker am 15. August 10000 Bienen und 20000 Brutzellen zählen und später, wenn diese Brut geschlüpft ist, deutlich weniger Bienen haben als drei Wochen vorher! Außer dem intakten Brutnest muss auch die Bienenzahl stimmen. Wenn drei-zargige Altvölker im August eingeengt werden, sollten alle Wabengassen beider Brutraumzargen mit Bienen gefüllt sein. Wenn die Randgassen der unteren Zarge bienenleer sind und die mittleren Wabengassen nur schwach besetzt, lieber auflösen und mit einem stärkeren Volk vereinigen! Bei der Entscheidung, welche Völker aufgelöst werden und welche stehen bleiben, wird auch ihre Honigleistung und das Ergebnis der Gemülldiagnose (Abschätzung des Varoabefalls) berücksichtigt.

Die Bruttätigkeit im Herbst (nach der Spätsommerpflege) ist für die Überwinterung vollkommen ohne Bedeutung. Völker mit relativ viel Brut im Oktober können im Frühjahr schlechter, aber auch besser dastehen als Völker, die im Oktober brutfrei waren.

Einengen von Altvölkern

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Wirtschaftsvölker werden im Sommer auf drei oder auch vier Zargen geführt. Der untere aus zwei Zargen bestehende Brutraum und der obere Honigraum sind durch ein Absperrgitter getrennt, sodass die Völker von März bis August ihre Brut ausschließlich auf den Waben des Brutraumes anlegen. Im Honigraum werden nur helle Waben verwendet. Wenn im Sommer keine größere Tracht mehr zu erwarten ist, können die Völker bereits bei der letzten Honigernte auf drei Zargen eingeengt und das Absperrgitter entfernt werden. Bei

Zustand des Volkes
 
...vor der Honigernte
Deckel
Honigraum
Absperrgitter
Großes Brutnest
Gitterboden

...unmittelbar nach der
Honigernte im Juli
Deckel
Honigraum
Großes Brutnest
Gitterboden

Wenn das Absperrgitter frühzeitig nach der Honigernte im Sommer entfernt wird, wandert das Brutnest leichter nach oben und die untere Zarge kann später ohne viel Aufwand entfernt werden. Der untere Brutraum ist in der Regel brutfrei, wenn mit dem Einengen und der Entfernung des Absperrgitters bis zur zweiten Augusthälfte gewartet wird. Das ist für die Spätsommerpflege früh genug.

Zustand des Volkes
 
...und Anfangs August
Deckel
Kleines Brutnest
Brutraum ohne Nest
Gitterboden
...und nach der
Einengung
Abstand Brutraum
Leerbeute
Deckel
Kleines Brutnest
Gitterboden
Zustand des Volkes
 
...vor der Tannenhonigernte
Deckel
Honigraum
Absperrgitter
Brutnest oben
Brutnest unten
Gitterboden
...unmittelbar nach dem
mit der Honigernte
erfolgten Einengen
Abstand Brutraum
Deckel
Honigraum mit 2 Brutwabenehemaliger Honigraum
mit Leerwaben gefüllt und 2 Brutwaben aus der unteren Zarge
Brutnest oben
Gitterboden

Nach Nutzung einer späten Tannentracht wird die Honigernte mit dem Einengen verbunden. Das macht mehr Arbeit, besonders wenn man dabei gleichzeitig alte Waben entfernt, aber gerade diese Mühe macht sich bezahlt. Wer auf Wabenhygiene achtet, beugt Krankheiten vor. Auch in der Bienenhaltung gilt: Vorbeugen ist besser als Heilen!

Volk eingengt
So soll es aussehen unmittelbar nach dem Einengen von Wirtschafts-
völkern auf 2 Zargen. Diese Völker sind stark genug

Läppertracht während des Sommers verlagern die Völker ihr Brutnest nach oben. Dabei wird die untere Zarge brutfrei oder fast brutfrei. Vor der Auffütterung werden die Völker auf zwei Zargen eingeengt. Dabei sollte immer grundsätzlich die unterste Zarge, die die ältesten Waben enthält, entfernt werden. An ihre Stelle kommt die obere Brutraumzarge und deren Platz nimmt die Honigraumzarge ein. Im folgenden Jahr wird gleichermaßen verfahren. Diese regelmäßige Wabenerneuerung im Brutraum lohnt sich. Wenn das Absperrgitter erst beim Einengen der Völker auf zwei Zargen entnommen wird, zum Beispiel weil die Völker bis Mitte August in der Tannentracht standen, ist ähnlich zu verfahren. Allerdings kann es dann möglich sein, dass in der untersten Zarge noch Waben mit Brut belegt sind. Dann ist das Einengen etwas umständlicher. Die Brutwaben der unteren Zarge werden dem Volk belassen und entweder an den Rand der Zarge gehängt, die auf den Gitterboden gesetzt wird, oder an den Rand der oberen Zarge.

Die Handgriffe beim Einengen im Detail

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  1. Honigraumzarge(n) abheben und zur Seite stellen, mit der Stirnseite auf den Boden
  2. Absperrgitter entfernen
  3. obere Brutraumzarge abheben und zur Seite stellen, mit der Stirnseite auf dem Boden
  4. untere Brutraumzarge auf Vorhandensein von Brut überprüfen, Anzahl Brutwaben feststellen
  5. untere Brutraumzarge abheben und zur Seite stellen; wenn Brut vorhanden oder Wildbau an Rähmchenunterleisten, auf eine Leerzarge (mit untergelegtem Deckel) oder Gitterboden setzen
  6. obere Brutraumzarge auf den Gitterboden setzen, so viel brutfreie (Rand-) Waben ziehen wie untere Brutraumzarge Brutwaben hat
  7. Brutwaben der unteren Brutraumzarge ziehen und einhängen
  8. leere Zarge aufsetzen und mit Restbrutwaben und bienenbesetzen Waben einer Honigraumzarge auffüllen
  9. leere Zarge aufsetzen und Bienen von restlichen Waben, Innenwänden der Honigraumzarge(n) und Deckel ins Volk abkehren
  10. Deckel und Folie auflegen
  11. Flugloch einengen
  12. für Varroa-Diagnose Windel in Gitterboden einschieben

Vereinigen von Altvölkern

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Nicht jedes Altvolk ist überwinterungsfähig. An die Volksstärke vor der Auffütterung sind sehr strenge Maßstäbe anzulegen. Das Einfüttern von schwachen Völkern hat keinen Sinn, wenn diese Völker den Winter nicht überleben oder so schwach auswintern, dass sie während der Blütentracht keinen Honig eintragen. Deshalb sollte man schwache Völker spätestens vor der Spätsommerpflege im August auflösen. Das Auflösen eines Volkes ist mit wenigen Handgriffen zu bewältigen, wenn es neben einem starken, überwinterungsfähigen Volk steht. Ein Volk gilt dann als überwinterungsfähig, wenn es im August nach dem Einengen beide Zargen mit Bienen füllt, und zwar nach dem Einstellen des Flugbetriebes. Bei dem Blick von oben durch oder unter die Folie sollten alle Wabengassen mit Bienen gut besetzt sein und beim Blick von unten durch das Flugloch sollte das Volk über mindestens 5 Wabengassen durchhängen oder sogar auf dem Gitterboden aufsitzen. Bei Völkern, die diese beiden Vorgaben nicht erfüllen, lohnt sich eine genauere Durchsicht. Wie groß ist das Brutnest? Wie sieht es aus? Ist es löchrig? Wie ist das Verhältnis von verdeckelter Brut zu offener Brut? Ist die Königin beschädigt? Hat das Volk still umgeweiselt? Wie hoch ist der natürliche Varroamilbenfall?

Wenn offene Brut oder Brut überhaupt fehlt ist die Entscheidung leicht zu treffen. Wenig Bienen und (oder) wenig Brut sind ebenfalls ausreichend An-lass, das Volk aufzulösen. Auf diesen Ausfall ist man vorbereitet. Als Ersatz stehen genügend Jungvölker bereit.

Volkstärke-Kontrolle
Der Blick von oben unter die Folie verrät schon über den Zustand des Volkes

Wenn der natürliche Varroamilbenfall einen Befallsgrad von mehreren Tausend Milben anzeigt, sollte das Volk vor dem Auflösen einmal gründlich mit Ameisensäure, sehr gut dafür geeignet ist die Behandlung mit »MoT« (Medizinflasche ohne Teller), behandelt werden, sonst tut man dem Nachbarvolk, das die Bienen und die Brut erhält, keinen Gefallen.

Übrigens: Ich halte nichts davon, die abgearbeiteten Wirtschaftsvölker durch Aufsetzen eines Ablegers oder Jungvolkes zu verstärken, weder im Spätsommer und erst recht nicht im Frühjahr. Damit wird die Investition, die gut gepflegte Jungvölker für das kommende Jahr darstellen, unnötig aufs Spiel gesetzt.

Vorgehensweise beim Auflösen von schwachen Völkern

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  1. das Volk zur Seite oder nach hinten stellen, entweder als ganzes oder zargenweise
  2. Zarge für Zarge Waben ziehen und dem Nachbarvolk vor das Flugloch kehren
  3. Brutwaben sammeln und bienenfrei dem Nachbarvolk (oder einem anderen Volk) aufsetzen (über Absperrgitter) oder einhängen
  4. die aufgesetzte Zarge entfernen, sobald die Brut ausgelaufen ist

In der zweiten Augusthälfte kann man das Einengen der Altvölker eines Bienenstandes mit dem Auflösen der schwachen Völker verbinden. Dann findet sich bei den meisten Völkern in der untersten Zarge keine Brut mehr. Zuerst wird das starke Volk zerlegt (Honigraumzarge abheben und zur Seite stellen, Absperrgitter entfernen, obere Brutraumzarge abheben und zur Seite stellen, untere Brutraumzarge abheben und zur Seite stellen), danach seine obere Brutraumzarge (mit dem Brutnest) auf den Gitterboden gesetzt und darauf eine leere Zarge. Anschließend werden alle Waben des aufzulösenden schwachen Volkes von oben beginnend gezogen und die aufsitzenden Bienen vor das Flugloch des starken gefegt. Die Brutwaben werden bienenfrei in die aufgesetzte Zarge des starken Volkes gehängt und diese mit hellen Waben des Honigraumes aufgefüllt. Das starke Volk erhält eine weitere leere Zarge aufgesetzt, in die seine Bienen auf den restlichen Waben abgestoßen oder abgefegt werden. Die anfallenden dunklen Altwaben beider Völker werden sofort dem Wachsschmelzer zugeführt, auch wenn sich auf ihnen etwas Pollen oder Brut befindet.

Jungvölker erweitern oder nicht erweitern?

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Die Entwicklungskurve der Jungvölker zeigt im August noch nach oben. Wenn sie früh gebildet worden sind und seit Mai eine begattete Königin haben, können sie in der Regel vor der Auffütterung erweitert werden. Sie sollten dann aber eine Zarge gut mit Bienen füllen und auf mindestens 6 Waben Brut haben. Manche Jungvölker sind bereits im Juli so stark, dass sie die zweite Zarge vertragen. Man macht aber auch nichts verkehrt, wenn man die tarken Jungvölker auf einer Zarge sitzen lässt. Da die Varroabehandlung mit Ameisensäure bei Ein-Zargen-Völkern leichter gelingt als bei Zwei-Zargen-Völkern, bin ich dazu übergegangen, Jungvölker nicht mehr zu erweitern und oenerell auf einer Zarge zu überwintern.

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Aus "Einfach imkern" von Dr. Gerhard Liebig