BedeutungBieneGeschichteVerbraucher-InfoRassenWissen

Der Bienentanz

2188

Wie finden die Sammelbienen ihre Futterquellen? Bienen haben dafür eine eigene komplexe Körpersprache, die Karl von Frisch in den 40er Jahren entschlüsselt hat. Mittels zweier Standardtänze, dem Rund- und Schwänzeltanz geben sie alle Informationen an ihre Kolleginnen weiter, die nötig sind, um die gleichen Trachtpflanzen zu finden. Es ist verblüffend, wie viele Informationen die Bienen in ihren Bewegungen kodieren können: die erste Information bekommen die Bienen sofort durch den Geruch. Die heimkommende Biene trägt den Geruch und die Pollen der jeweiligen Futterpflanze in ihrem feinen Körperpelz. Somit wissen alle anderen Sammelbienen sofort, um was für eine Quelle es sich handelt und wie sie schmeckt.

Bienentanz

Für die Nähe: "Rundtanz"

Befindet sich die Nahrung in einem Umkreis von ca. 50 Metern rund um den Bienenstock, vollführt die Biene einen sogenannten "Rundtanz": Sie läuft auf der senkrechten Wabe aufgeregt im Kreis, immer abwechselnd rechts und links herum. Auch der Wert des Trachtortes wird den Kolleginnen mitgeteilt. Je höher, desto temperamentvoller und ausdrucksvoller ist der Tanz. Dann fliegen alle los und suchen im Umkreis von 50 Metern so lange, bis sie die entsprechende Tracht gefunden haben.

"Schwänzeltanz" für entferntere Nahrung

Bienentanzerklärung

Der Rundtanz versagt bei weiter entfernten Nahrungsquellen. Dafür gibt es den komplizierteren "Schwänzeltanz": Die Bienen tanzen dazu Halbkreise, unterbrochen von geradlinigen Läufen, bei denen sie ihren Hinterleib rasch hin und her zucken lassen. Auf diesen Schwänzelgeraden kehren sie jedes mal wieder zurück zum Startpunkt des zuvor durchlaufenen Halbkreises. Je weiter die Trachtquelle, umso langsamer wird getanzt. Die Biene informiert dadurch ihre Schwestern über Entfernung und Richtung der Nahrung, bis auf wenige Meter genau!

Schwaenzeltanz
Bild 3

Die Schwänzelphase ist mit einem gleichlange andauernden Schnarrlaut verbunden. Die der Tänzerin folgenden Arbeiterinnen nehmen also

Bild 3 zeigt die Tanzrichtungen bei gleichem Sonnenstand und unterschiedlicher Lage der Futterplätze. Wir, als Beobachter, stehen hinter dem Bienenstock mit Blickrichtung gegen die Sonne. Der äußere Kreis stellt 8 verschieden gelegene Trachtquellen dar, die über 100 m vom Stock entfernt sind. In der Mitte der Bienenstock mit Flugfront gegen die Sonne. Der innere Kreis zeigt 8 Brutwaben, auf denen die Tanzbilder, die dem jeweiligen Standort der Trachtquellen entsprechen, aufgezeichnet sind. Die senkrechte Linie auf den Waben bedeutet für die Bienen immer Richtung Bienenstock-Sonne. Die dick ausgezogene, waagerechte Linie ist die Tragleiste der Wabe.

Entfernungsweisung im Schwänzeltanz

Wenn wir den Futterplatz auf 100 m verlegen, geht der Rundtanz in den Schwänzeltanz über. Jetzt wird zwischen die Kreisbögen ein auffallender Schwänzellauf eingeschoben. Er enthält zwei wichtige Mitteilungen über Entfernung und Richtung des Zieles.

Bieten wir besonders hochwertiges Futter an, wie das bei unseren Filmaufnahmen geschehen ist, dann werden die Schwänzelbewegungen noch zusätzlich von Schnarrlauten begleitet; durch sie wird also der Schwänzellauf im wahrsten Sinn des Wortes betont.

Schwaenzeltanz Tanztempo

Der Film zeigt zunächst in vier Stufen - durch Verlagerung des Futterplatzes von 100 m auf 1000 m - den Mechanismus der Entfernungsweisung: Es ist deutlich zu erkennen, daß der Tanzrhythmus, d.h. die Zahl der Schwänzelläufe pro Zeiteinheit, dieser Entfernungsweisung zugrunde liegt: Bei 100 m zählen wir zehn Schwänzelläufe pro 1/4 Minute, bei 200 m acht, bei 500 m sechs, bei 1000 m vier Durchläufe in der gleichen Zeit. Würden wir den Futterplatz noch weiter auf 2000 m verlegen, dann hätten wir noch drei Schwänzelläufe pro 1/4 Minute und bei 10000 m nur noch eineinhalb Durchläufe zu registrieren.

EntfernungUmläufe / 15 Sekunden
100 m10
200 m8
500 m6
1000 m4
2000 m3
10 000 m1,5

Wenn die Tänzerinnen so genau die Entfernung weisen können, müssen sie diese vorher selbst genau vermessen haben. Sie richten sich hier nicht etwa - wie man lange Zeit annahm - nach der Flugzeit, sondern nach dem Energieaufwand, den sie zur Bewältigung der jeweiligen Entfernung im Flug aufbringen müssen. Versuche an einem Berghang haben dies bestätigt: eine Bienenschar wurde veranlaßt, vom Stock aus bergauf zu fliegen, eine andere bergab. Die Bergaufsammlerinnen meldeten eine größere Entfernung als die Bergabsammlerinnen, obwohl beide Futtertischchen vom Stock gleich weit entfernt waren. Desgleichen melden die Tänzerinnen bei Gegenwind eine größere, bei Rückenwind eine kleinere Entfernung. Im Film wird der Energieaufwand dadurch erhöht, daß wir einer Sammlerin auf den Thorax ein Messingplättchen mit 33 mg Gewicht aufkleben. Eindrucksvoll können wir verfolgen, daß diese beschwerten Sammlerinnen durch einen langsameren Tanzrhythmus eine größere Entfernung als unbeschwerte Kontrollbienen anzeigen.

Siehe auch ==> Publikation zum Film: "Entfernungs- und Richtungsweisung bei der Honigbiene - Rund- und Schwänzeltanz"

Publikationen zu Wissenschaftlichen Filmen, Institut für den Wissenschaftlichen Film Göttingen (IWF)