Winter und Überwinterung

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Während des Winters bildet das Volk eine Wintertraube. Die Bienen rücken bei kalten Temperaturen sehr eng zusammen. Ein normalstarkes Bienenvolk besetzt dann 4 bis 6 Wabengassen und diese nicht auf ihrer vollen Länge.

Wenn das (stärkere) Bienenvolk Anfang August zwei Zargen gefüllt hatte, dann sind es im Winter weniger als ein Viertel des zur Verfügung stehenden Raumes! In den nicht besetzten Wabengassen ist es genauso kalt wie draußen vor dem Flugloch. Keine Angst, das Volk friert dennoch nicht. Es kann nur erfrieren, wenn es kein Futter mehr hat. Solange es über genügend Vorräte verfügt, heizt es, indem die Bienen den Zucker des eingelagerten Winterfutters verbrennen und in Wärme umwandeln. In der Wintertraube herrscht eine Temperatur von etwa 20°C, solange das Volk keine Brut hat. Sobald es anfängt zu brüten, muss stärker geheizt werden. Die Brut braucht für eine gesunde Entwicklung eine Temperatur von ungefähr 35°. Allerdings werden nur die Brutflächen so warm gehalten. Die Bienen auf den brutfreien Wabenflächen haben es kühler.

Der Bienenpelz der Wintertraube hat eine gut isolierende Wirkung. Das schützt vor unnötigem Wärmeverlust. Der nicht besetzte Raum wird nicht beheizt. Das spart Futter und wäre auch überhaupt nicht notwendig. Das dort gelagerte Winterfutter wurde bei seiner Verarbeitung im Spätsommer kalt konserviert, mit einem niedrigen Wassergehalt eingelagert und gut mit Zelldeckeln verschlossen. Es kann nicht verderben, auch wenn die Futterflächen vom Bienenvolk verlassen werden. Im Gegenteil: kühl gelagert hält es länger frisch.

Einwinterung So sollte es sein!
Starkes zweizargiges Bienenvolk im November.
Die Wintertraube sitzt noch unten
und besetzt dort 7 Wabengassen.
Die obere Zarge enthält wenig Bienen.
Von oben könnte die Stärke
des Volkes nicht beurteilt werden.

Die nicht besetzten Futterwaben dürfen nicht vom Imker entnommen und durch Wärmepackungen ersetzt werden. Wer seine Völker so warm halten will, erreicht genau das Gegenteil. Auch in einer warmen Beute braucht ein Bienenvolk Futter. Wenn es durch das Warmhalten dazu verführt wird, früher mit dem Brüten zu beginnen, dann braucht es sogar noch mehr Futter als in einer kalten, scheinbar schlecht isolierten Beute.

Das Bienenvolk kann nur so viel Futter verbrauchen wie es zur Verfügung hat. Die Futtermenge, die auf den von der eng sitzenden Wintertraube belagerten Waben Platz hat, reicht auf jeden Fall nicht bis zum Trachtbeginn im Frühjahr aus. Das Volk muss auf Reserven im nicht besetzten Raum zurückgreifen können, sonst geht ihm bereits im Winter oder spätestens im Frühjahr das Brennmaterial aus.

Während des Winters gehen Bienen verloren. Die sterbenden Bienen versuchen den Stock zu verlassen. Das gelingt ihnen auch, wenn es nicht allzu kalt ist. Nur bei sehr tiefen Temperaturen (weit unter 0°C) sammelt sich der Totenfall im Unterboden an. Bei normaler Witterung mit Temperaturen um 0°C oder darüber fliegen die vor dem Tode stehenden Bienen ab und kehren nicht zurück. Der Imker merkt es dann nicht, wenn seine Völker schwächer werden.

Zugeschneites Bienenvolk Es schadet einem Bienenvolk nicht,
wenn es zugeschneit ist,
erst recht nicht,
wenn es über einem
offenem Gitterboden sitzt.

In der Regel nimmt die Stärke eines Volkes im Winter um ein Viertel bis ein Drittel ab. Zum Beispiel können von 10 000 Bienen Mitte Oktober bis Mitte März, bevor die erste Brut schlüpft, etwa 7 000 Bienen überleben. Das wäre normal. Die Abweichungen von dieser Norm wird vom Standort (Klima), von der Witterung, vom Imker und von Krankheiten bestimmt. Kranke oder falsch behandelte Völker können während des Winters sterben. Manchmal kommt es auch vor, dass Völker in dem genannten Zeitraum stärker werden. Das ist besonders an klimatisch günstigen Standorten in milden Wintern möglich, wenn die Völker schon im Februar mit dem Brüten beginnen und sich dieses frühe Brüten in einem frühen Wachstum niederschlägt. Das Brüten und die damit verbundene erhöhte Heizleistung haben nicht nur einen höheren Futterverbrauch zur Folge. Der stärkere Stoffwechsel, besonders die Verarbeitung von Pollen zu Futtersaft, hinterlässt auch mehr Rückstände, die die Kotblase rascher füllen. Deren Speicherkapazität ist nicht unbeschränkt. Die so belasteten Bienen müssen in kürzeren Abständen die Gelegenheit für einen Reinigungsflug haben, um außerhalb des Stockes abkoten zu können. Wenn der Witterungsverlauf das nicht zulässt, kann es passieren, dass einige Bienen, in der Regel sind es kranke, im Stock auf den Waben abkoten. Die Folgen für das Volk können verheerend sein. Meistens enthält der Kot Krankheitserreger. Wenn putzende Bienen die Kotspritzer beseitigen, was durchaus erst Wochen später der Fall sein kann, stecken sie sich an, erkranken ihrerseits und können die Krankheit auf ihre Schwestern übertragen. Diese kann sich dann im Volk epidemieartig ausbreiten. Kranke Bienen sterben erheblich früher. Das Volk stagniert zuerst in seiner Entwicklung, wird dann sichtbar schwächer und kann sogar zugrunde gehen, auch wenn es sich dagegen wehrt. Selbstheilung ist möglich, doch nur, wenn bienengünstige Umweltbedingungen herrschen. Der Imker kann den erkrankten Völkern nicht oder nur beschränkt helfen.

Mildes Wetter mitten im Winter kann sich sehr ungünstig auf die Überwinterung auswirken, besonders wenn es wochenlang anhält und ihm anschließend eine frostige Periode folgt; denn milde Witterung verleitet zum Bruteinschlag. Die Völker können erst nach drei Wochen wieder aus der Brut gehen, denn einmal angefangen muss die angesetzte Brut drei Wochen lang bei 35°C gepflegt werden, auch wenn es während dieses Zeitraumes sehr kalt ist.

Deswegen sollten die Völker im Winter so gehalten werden:

Warmer Kopf und kalte Füße, heißt im Winter die Devise.


Aus "Einfach imkern" von Dr. Gerhard Liebig